Gedenkstein


Memorial

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Hörbeispiel:

Beim dritten Komponist_innenforum im Jahr 1998 wurde anlässlich des 10jährigen Todestag des Komponisten Cesar Bresgen dieser Gedenkstein enthüllt, welcher von der gebürtigen Mittersiller Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Hannelore Schwarzenbacher gestaltet wurde.

Der Komponist Cesar Bresgen war ab 1939 Kompositionslehrer an der Reichshochschule Mozarteum in Salzburg und dort begründete und leitete er auch die Jugendmusikschule. 1944 musste das Mozarteum aufgrund des Krieges schließen und zudem wurde Bresgen Wohnhaus, welches arisiert war, zerbombt. Bresgen musste sich und für seine Familie deshalb eine sichere Unterkunft suchen und er fand diese in Mittersill, wo er einige Zeit lebte und als Kirchenchorleiter und Organist tät war. Er komponierte hier unter anderem den Totentanz nach Holbein. Von 1945 – 1947 hatte er wegen seines Engagement im nationalsozialistischen Regime Berufsverbot und kehrte anschließend wieder nach Salzburg zurück und lehrte am Mozarteum. Bresgen blieb aber immer mit Mittersill verbunden und er kam oft hierher zurück und nahm an Gedenkveranstaltungen zu Ehren von Anton Webern teil.

Dieser Stein erinnert an die zufälligen Begegnungen von Bresgen und Webern bei ihren Spaziergängen. Einmal sann Bresgen, der von Paracelsus fasziniert war und eine gleichnamige Oper schrieb, einem Gespräch mit Webern nach und hat anlässlich des 100 jährigen Geburtstags von Webern in seinem 1983 veröffentlichten Buch Mittersill 1945 – Ein Weg zu Anton Webern hierzu folgende Zeilen geschrieben:

Der unerhörte Gedanke ,hinter den Dingen’ ... Immer noch muß ich dem letzten Gespräch mit Webern nachsinnen. Ist nicht jedes Blatt, jeder Halm, jede Mikrobe in sich ein Gebilde voll von Rätseln? Was uns Chemie und Biologie erklären, imponiert, aber es dringt doch nicht bis zur letzten Weisheit vor. Ein jedes Ding atmet sein eigenes Leben, folgt seinem eigenen Rhythmus, dem Biorhythmus, der doch Rhythmus aller Dinge ist. Das in Liebe zu sehen und sein Wesen zu erkennen, ist freilich überaus schwer. Es gelingt nicht jeden Tag. Ich kann nicht jeden Tag in den Schriften des Paracelsus lesen, ebensowenig wie ich imstande wäre, jeden Tag aus mir heraus zu schöpfen. Es gibt tote Stunden und ganze Tage, in denen man betäubt ist, eingehüllt wie in einen Schleier, verurteilt zur Untätigkeit. Aber ein Funke genügt, ein Strahl, zumeist unbekannter Herkunft, und schon fühlt man sich im Gleichmaß, und alles ringsum wird zum Miraculum. Sie sagen vielleicht zur dir: Du Narr, den alles anrührt, der über den Tod des Schmetterlings weint. Sie werden nie verstehen, was es heißt, mit den Dingen zu leben, sie zu erkennen, sie zu lieben, am meisten, wenn sie bedroht sind. Heißt es bei Paracelsus nicht: ,Je mehr Erkennen ist in einem Ding, je mehr ist Liebe’?

Man merkt aus diesem Text ebenso die Naturverbundenheit von Bresgen, doch im Unterschied zu Webern beeinflusste sie jedoch nach seiner eigenen Einschätzung seine Kompositionen kaum. Die Treffen mit Webern beeinflussten Bresgen jedoch in vielerlei Hinsicht. Man merkt Weberns Einfluss auf Bresgen zum Beispiel in seinem Werk Lumen. Oratorium von Blinden, wo Bresgen die letzte Zwölftonreihe von Webern aus dem unvollendeten Opus 32 verwendet hat.